Hans-Günter Maschkes Pfingstrosensämlinge

Hans-Günter Maschke mit unserem Sämling CC-1 am Morgen des 29. Mai 2008.

Pfingstrosen gehören unter den vielen Blütenstauden und Blumenzwiebeln, die wir im Garten haben, zu unseren besonderen Lieblingen. Einer von uns (Hans-Günter Maschke) hat schon vor langer Zeit gelegentlich ein paar ihrer Samen ausgesät. Inzwischen machen wir das systematisch. Was daraus entstanden ist, wollen wir an dieser Stelle mit vorstellen. Wir zeigen hier nur solche Sämlinge, die bereits geblüht haben und hoffen natürlich, dass Sie eines Tages etwas wirklich Interessantes zu sehen bekommen.

In den ersten Jahren haben wir hier vor allem solche Sämlinge gezeigt, die dadurch entstanden sind, dass eine attraktive Mutterpflanze zufällig Samen angesetzt hat, den wir “zufällig” ausgesät haben. Seit 2004 machen wir regelmäßig gezielte Bestäubungen, seit 2008 tun wir das in erheblichem Umfang. Die Pflanzen aus diesen Aussaaten beginnen jetzt zu blühen, und wir erwarten in den nächsten Jahren einen stetigen Zuwachs neuer und hoffentlich auch interessanter und attraktiver Sämlinge.

Wir betreiben unsere “Päonienzucht” als reines Hobby. Das bedeutet, dass wir Pfingstrosen – von den Samen, die wir in unserer Liste anbieten, abgesehen – weder verkaufen noch tauschen. Wir machen davon keine Ausnahme und bitten Sie herzlich, uns nicht danach zu fragen. Falls aus unseren Aussaaten eines Tages etwas Lohnendes hervorgehen sollte, werden die Pflanzen von einer Pfingstrosengärtnerei vermehrt und in den Handel gebracht werden.

Man sieht an den Bildern, dass die Elternsorten in der Regel nicht leicht zu übertreffen sind. Das ist so auch nicht unsere Absicht. Auch heute noch machen wir eine Aussaat manchmal nur deshalb, weil wir neugierig sind, wie die Nachkommen einer bestimmten Sorte aussehen. Es dauert eine Weile von der Aussaat bis zur Blüte, aber man bekommt auf jeden Fall ein paar hübsche Pflanzen. Mit anderen Worten: Man muss sich als Züchter schon Mühe geben, um eine hässliche Päonie zu erzeugen…

Wir haben aber auch ein paar ernsthafte Zuchtziele, die sich auf Staudenpäonien (Pfingstrosen im engeren Sinne) konzentrieren. Die vorhandenen gelben und korallfarbenen Hybriden sind eine faszinierende Bereicherung des Sortiments. Trotzdem wünscht man sich hier auch die tieferen Farben, die einige Wildarten haben. Auch wirklich gut gefüllte Hybriden in Gelb oder Korall sind immer noch selten. Und es wäre reizvoll, diese Farben auf Pfingstrosen zu übertragen, die vom Typ her Lactifloras gleichen.

Die Angabe eines Pollenpartners bedeutet hier nur, dass die betreffende Bestäubung von Hand ausgeführt worden ist. In der Regel bestand für die Blüten die Möglichkeit weiterer, “natürlicher” Bestäubungen. Diese werden in unterschiedlichem – in der Regel geringem – Maße realisiert worden sein. Wir verwenden bei der Beschreibung der Sämlinge Abkürzungen, die international üblich und verständlich sind: FB = Jahr der ersten Blüte, OP = offen bestäubt, also keine gezielte Bestäubung, LB = Sämlinge einer Sorte miteinander gekreuzt.

Und das höchste Ziel – der “Heilige Gral”? Wir mögen’s kaum hinschreiben, denn man wird sich darüber lustig machen: Wir bestäuben jedes Jahr unsere inzwischen fast 200 BARTZELLA – Blüten mit allen möglichen Pollen und erhalten im Durchschnitt 2 Samen. Gekeimt ist bis 2012 keiner. Das Ergebnis aber könnte den Aufwand lohnen: In echte Staudenpfingstrosen könnte man endlich ein wirklich sattes Gelb hineinbekommen. Mit bestimmten Strauchpäonien gekreuzt, erhielten wir vielleicht eine Art “Remontant-Päonien”, also halbstrauchige Sorten mit langen, aufrechten Stielen, die mehrmals im Jahr blühen.

Doch das ist Zukunftsmusik. Wahrscheinlich ist diese Mühe vergebens. Vielleicht schaffen es andere, diese Ziele zu erreichen. Mit der Gentechnik wäre es wohl kein Problem, aber das würde uns den Spaß an der Sache verderben. Den Aufwand, den einige wegen einer bestimmten, für unmöglich gehaltenen Kreuzung getrieben haben, haben wir jedenfalls noch lange nicht erreicht. So lassen wir uns weiter von A.P. Saunders leiten, der einmal sinngemäß schrieb: Lasst Euch nicht entmutigen – bei Päonien ist nichts unmöglich!

Es war nicht einfach, aber inzwischen haben wir einige BARTZELLA-Sämlinge erzeugen können. Der skeptische Teil des obigen Textes ist also nicht mehr aktuell. Wir werden über die Sämlinge berichten, sobald sie das erste Mal geblüht haben.

Die intersektionelle Hybride BARTZELLA (Anderson 1986) am zweiten Juni 2007. Eine ausgewachsene, blühende Pflanze ist etwa 1 ¼ m hoch und 1 ½ m breit und sieht so aus, wie man sich eine gute gelbe Strauchpäonie wünschen würde. Wer schafft es, mit dieser Sorte weiterzuzüchten?

In der Regel werden wir bei der Aktualisierung unserer Päonienseite sowohl hier im Startteil als auch bei den einzelnen Sämlingen nichts an den vorhandenen Texten ändern, auch wenn sie irgendwann von der Realität überholt werden. Den jeweils aktuellen Stand werden wir durch fortlaufende Ergänzungen dokumentieren.

Paeonienjahr 2008:

Im Jahr 2008 haben fast alle Päonien außergewöhnlich schön geblüht – vielleicht eine Folge des milden Winters und des langen, kalten Frühlings. Die niedrigen Temperaturen, die wir bis weit in den Mai hinein hatten, haben bei vielen Sorten zu einer späteren Blüte als im Vorjahr geführt. Wir konnten eine Menge interessante Kreuzungen machen, über die aber hier – allein schon aus abergläubischen Gründen – nicht berichtet wird. Leider sind infolge des nasskalten, chaotischen Juliwetters wieder einige vielversprechende Samenkapseln verrottet. Auch mit geplatzten Karpellen, die wir durch Zubinden zu retten versuchen, hatten wir wieder zu kämpfen.

Unsere ab 2003 erzeugten und ab 2005 gekeimten Sämlinge haben alle noch nicht geblüht. In diesem Jahr können wir hier also nicht viel Neues zeigen. Deshalb – und weil zur Zeit noch genügend Platz ist – ergänzen wir die Präsentation der bereits vorhandenen Sämlinge um neue Bilder. Wir können so auch die Entwicklung der Pflanzen sowie ihre Variabilität dokumentieren.

Wir planen, nach und nach auch unsere übrigen Päonien (und vielleicht auch etwas von dem, was sonst noch bei uns blüht) hier vorzustellen, doch müssen wir um Geduld bitten – die Samenerzeugung, -reinigung etc. nimmt uns so in Anspruch, dass wir das ganze Jahr über kaum zu etwas anderem kommen.

Paeonienjahr 2009:

Das Pfingstrosenjahr 2009 hat uns einige unangenehme Überraschungen bereitet. Es begann damit, dass im Quartier der Aussaaten von 2007 praktisch nichts aufgegangen ist. Zum Teil sind Samen gekeimt und sofort wieder abgestorben. Wir hatten einen Pilzbefall im Sämlingsquartier, der die Kreuzungsarbeit eines Jahres zunichte gemacht hat. Außerdem hatten wir – offenbar in Folge des nasskalten Wetters – später im Jahr und an einer anderen Stelle zum ersten Mal nennenswerte Verluste durch Phytophthora, der u.a. fast unsere gesamte Aussaat von RASPBERRY SUNDAE x CC-1 zum Opfer gefallen ist. Auch Nematoden haben sich beim Pikieren von Sämlingen im Herbst zum ersten Mal stärker bemerkbar gemacht.

Das heiße Wetter bis Mitte Mai 2009 hat den Erfolg der frühen Kreuzungen zweifellos begünstigt. Danach war es viele Wochen kalt, nass und stürmisch, und etliche vielversprechende Samenkapseln sind durch Fäulnis zu Grunde gegangen. Wir ersparen es uns, Bilder von verfaulten Karpellen zu zeigen. Etliche der Bestäubungsversuche, die wir ab Mitte Mai gemacht haben, waren gar nicht erst erfolgreich. Dennoch hat uns das Jahr auch Gutes gebracht: Eine Reihe von interessanten und aussichtsreichen Kreuzungen – z.T. mit Pflanzen, die wir erst vor kurzem erworben hatten – sind zum ersten Mal gelungen. Einige Samen vom Herbst 2008 sind bereits im folgenden Frühjahr gekeimt, und selbst von den unglücklichen Sämlingen des Jahres 2007 hat einer, von dem wir uns etwas erhoffen, dem Pilzbefall widerstanden. Schließlich hat die erste Pflanze geblüht, die aus einer gezielten Kreuzung nach 2003 – dem Beginn unserer systematischen Aussaaten – hervorgegangen ist (OFF-1, siehe dort).

Die Paeonienjahre 2010 und 2011:

Auch die Pfingstrosenjahre 2010 und 2011 sind nicht ideal verlaufen. Wir können sie hier summarisch abhandeln. In beiden Jahren war die Blüte vom Wetter begünstigt. Nach einem langen und  kühlen Frühling 2010 erfolgte sie ungewöhnlich spät, aber Pflanzen und Blüten haben sich ausgesprochen gut entwickelt. Der Frühling 2011 war bis in den Sommer hinein subtropisch warm und extrem trocken. Später war das Wetter in beiden Jahren viel zu nass, und wir haben wieder etliche Karpelle durch Fäulnis verloren. Man sollte sich aber nicht täuschen: Auch wenn in verfaulten Karpellen unreife Samen gefunden werden, heißt das nicht zwangsläufig, dass unter günstigeren Umständen etwas daraus geworden wäre. Schwierige Kreuzungen liefern häufig unvollkommen entwickelte Samen, die nicht keimen. In beiden Jahren hat die Fäulnis aber auch reine Lactiflora-Kreuzungen betroffen.

Nach dem Verlust praktisch aller keimenden Samen von 2007 durch einen Pilz war 2008 das erste Jahr, in dem wir umfangreiche Kreuzungen durchgeführt und daraus viele Sämlinge erhalten haben. Wir freuen uns, dass wir es 2011 geschafft haben, auch die letzten von ihnen aus den Aussaattöpfen auf Beete zu verpflanzen. Bis zum Erscheinen der ersten Blüten werden aber noch  ein oder zwei Jahre vergehen. Aus Aussaaten zwischen 2003 und 2006 haben einige weitere Pflanzen zum ersten Mal geblüht, die wir an den entsprechenden Stellen zeigen.

Unsere Paeonien und die Bienen:

Diese Blüte von MOONRISE (Saunders 1949) öffnet sich gerade, und schon sind die Bienen darüber her (12. Mai 2011)

Wenn in unserem Garten die ersten Päonien erblühen, tauchen Honigbienen in Mengen auf, die wir hier gar nicht mehr vermuten würden, nachdem die meisten Imker ihre Tätigkeit eingestellt haben. Und diese Bienen führen sich – vor allem in den Blüten von Wildarten und einfachen Hybriden – beim Pollensammeln buchstäblich wie die Verrückten auf. Sie bewirken damit dreierlei: Bei großem Andrang sind Bienen in der Lage, binnen weniger Stunden praktisch allen Pollen einer Blüte fortzutragen, so dass für den Züchter kaum etwas übrigbleibt. Natürlich tun sie auch das, wofür sie sonst immer gelobt werden: Sie bestäuben die Blüten, allerdings mit Gott weiß was für Pollen und nicht mit dem, den wir gern drauf hätten (und womöglich, wenn es bereits zu spät ist, dann auch noch aufbringen). Häufig sieht man sie, bereits vollbepackt mit Pollen, eine Blüte ansteuern, dort eine Weile herumtoben und dann weiterfliegen. Auf diese Weise wird der Pollen in den Blüten kontaminiert und ist nur noch unter Vorbehalt für Kreuzungen verwendbar. Bienen im Päoniengarten sind für den Züchter also keine ungetrübte Freude. Trotzdem sehen wir ihnen gern zu und freuen uns sozusagen mit ihnen. Ihr Treiben bedeutet aber für uns auch, dass wir wichtige Kreuzungspartner mit Papiertüten zu schützen versuchen und dass, wenn das nicht rechtzeitig geschieht, der Pollenlieferant einer Kreuzung fraglich sein kann. Hummeln und andere Wildbienen kommen nicht in solchen Massen, sind aber ebenfalls häufige Besucher.

Auch auf die in Mitteleuropa seltenen Holzbienen (Xylocopa) scheinen Päonienblüten eine magische Anziehungskraft auszuüben. Wir haben sie – wenn überhaupt – bisher ausschließlich beim Besuch unserer Pfingstrosen gesehen. Mit ihrem rasend schnellen Flug bieten diese bläulich schwarz schillernden Insekten einen imposanten Gegensatz zu unseren eher gemächlichen Bienen und Hummeln. Und eine respektable Größe können sie auch erreichen.

Holzbiene (Xylocopa iris ?) am 14. Mai 2009 auf einer Blüte von MARIECHEN

Xylocopa valga (?) am 21. Mai 2011 auf einer Blüte von CORAL SUNSET

Wie wir unsere Päoniensamen aussäen:  

Päoniensamen benötigen zur Keimung mindestens einen Warm-Kalt-Warm-Zyklus.

Viele Züchter versuchen, dem durch ein spezielles Aussaatverfahren Rechnung zu tragen, das im Herbst gestartet wird: Die Samen werden in Plastbeuteln zusammen mit feuchtem Torfmoos, Vermiculit o.ä. an einem warmen Ort aufbewahrt. Von Zeit zu Zeit wird geschaut, ob sich schon Wurzeln gebildet haben. Sobald das der Fall ist, werden die entsprechenden Samen entnommen und weiterhin in feuchtem Substrat in einem Kühlschrank gelagert. Bei richtigem Timing sollten im Frühjahr die ersten Blattknospen erscheinen, und die Sämlinge können in Töpfe gepflanzt werden. Das Verfahren hat den Vorteil, dass man bereits nach einem halben Jahr Jungpflanzen erhält. Nachteilig ist zum einen der hohe Aufwand und das Risiko, einmal den richtigen Zeitpunkt zu verpassen, zum anderen, dass hier erhöhte Fäulnisgefahr besteht und bei weitem nicht alle Samen wie gewünscht auf diese Behandlung reagieren.

Wir wenden dieses Verfahren deshalb nicht an und wir empfehlen es auch nicht, obwohl man immer wieder liest: „Wenn du ein Päonienzüchter werden willst, musst du das zuerst lernen“. Wir säen unsere Samen in Tontöpfe, die wir mit einer Mischung aus etwa gleichen Teilen von Lehm, Sand und granuliertem Blähton (Seramis) füllen und auf Freilandbeeten einsenken. Samen, die bis Ende Juni ausgesät werden, keimen mit ziemlicher Sicherheit im folgenden Frühjahr. Wir beginnen aber mit unseren Aussaaten, sobald es das Wetter zulässt allein schon deshalb, weil wir gegenwärtig jährlich sehr viele Kreuzungen machen und anders gar nicht alles schaffen würden. Das Bild einer Aussaat vom Frühjahr 2009 (Samen von 2008) wurde im Mai 2010 aufgenommen. Es zeigt auch, wie unterschiedlich die Nachkommen einer Pfingstrosen-Kreuzung häufig ausfallen. Natürlich können die Samen auch direkt auf Freilandbeete ausgesät werden, was bei größeren Mengen zu empfehlen ist. Einjährige Sämlinge sollten im Herbst mit etwa 40 cm Abstand auf ein Freilandbeet gepflanzt werden, wo sie bis zur ersten Blüte bleiben können. Am besten macht man das bereits im August, wenn die Blätter noch dran sind und die ersten neuen Wurzeln zu treiben beginnen.

Eine Aussaat der Kreuzung Louise Marx x CC-1 am 21. Mai 2010

Eine Aussaat der Kreuzung Louise Marx x CC-1 am 21. Mai 2010

Zum Schluss ein Bild zum ästhetischen Aspekt von Päoniensamen und -kapseln:

Fast zu dekorativ, um sie in die Erde zu bringen: Samen von GOLDEN WINGS (die schwarzen) und HG-6 (die braunen) am 30. August 2008